die ideenwerkstatt - Es gibt noch Hoffnung für Karstadt

Haralds

Kreativ Kabinett  

In dieser Woche trat die erst vor fünf Monaten hoffnungsvoll gestartete ehemalige IKEA-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt von ihrem Posten als Karstadt-Chefin zurück. Dies war nur ein Ereignis in einer langen Kette von Rückschlägen, die dieses traditionsreiche Warenhaus in den vergangenen Jahren erleiden musste.
Zwar hat der seinerzeitige Einstieg des Investors Nicolas Berggruen den Fortbestand dieses Unternehmens überhaupt erst gesichert; es bleibt jedoch die Frage im Raum, wie er langfristig mit dieser Investition auf einen grünen Zweig kommen will.
Dabei wird ja schon seit längerem das Totenglöckchen über das Konzept des Warenhauses geläutet.
Verfolgt man die Berichterstattung über das kurzlebige Engagement der mit viel Euphorie gestarteten Heilsbringerin, so blieb ihr in den fünf Monaten letztlich nur die Rolle der Feuerwehrfrau die den Umsatzrückgang lediglich bremsen, und der Abschmelzung an Barmitteln auch nur zusehen konnte.

Was aber gänzlich fehlte, war ein neuer Spirit, der vom Lageristen bis zum Eigentümer neue Kräfte hätte freisetzen können und vor allem die Kunden in die Häuser gelockt hätte.
Denn dies scheint tatsächlich nicht berücksichtigt worden zu sein: Neben der Notwendigkeit, die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen in den Griff zu bekommen ist letztendendes der Kunde entscheidend für den Erfolg eines (Handels-) Unternehmens.
Und für einen kundenorientierten Auftritt gibt es hierzulande nicht nur Nischen; da klaffen riesige Lücken in der deutschen Handelslandschaft.
Ein Unternehmen, dass sich mit perfekt geschultem und ausgesucht freundlichem  Personal seinen Kunden widmet, seine Outlets über Aktionen und Veranstaltungen zu Treffpunkten der jeweiligen Zielgruppen macht, das lokale Angebot mit lokalen Produkten ergänzt und nebenbei in ständigem Dialog mit seinen Kunden steht, das hat auch heute noch Zukunft.
Hierzu ein paar konkrete Beispiele:
Warum schießen gerade die Versender von sog. Outfits wie Pilze aus dem Boden, obwohl dies der Präsenshandel ohne die teuren Rücklaufquoten, dafür aber mit kompetenter und individueller Beratung schon längst hätten deutlich heraus stellen können?
Wo bleiben in den Innenstädten die Anbieter hochwertiger Lebensmittel?
Gute Fleischerfachgeschäfte finden sich in Randlagen und auf dem Lande, bei den Bäckern sind es in den Innenstädten meistens die Filialen mit der Nummer 101 oder gar 250 und ansonsten hangeln sich viele qualitätsbewusste Verbraucher von Wochenmarkt zu Wochenmarkt.
Anfang der 90er-Jahre durfte ich einmal für vier Wochen die Feinkostabteilung im Hamburger Alsterhaus kennenlernen und dabei unter anderem Inge Meysel bedienen. Das waren noch Zeiten, als diese Bereiche eine wahre Pilgerstätte für Gourmets aus dem näheren Umfeld waren…
Im Gegenzug habe ich ein paar Jahre später aber auch das schlechteste und teuerste Wiener Würstchen in einem Bistro im KaDeWe gegessen…
Also ich sehe durchaus noch Hoffnung für Karstadt!
Unterhaltet Euch intensiv mit Euren Kunden, entscheidet Euch für die Service- und Qualitätsführerschaft im deutschen Handel und springt auf den wieder angefahrenen aber noch jungen Zug des Heim-Lieferdienstes auf. Freundliche und fröhliche Mitarbeiter ziehen Kunden und neue Kollegen an.
Und wenn wir langfristig auch den restlichen Markt dazu bewegen könnt, wieder mehr den Kunden in den Mittelpunkt ihrer Politik zu stellen, dann war es allemal für was gut.
Letzlich bleiben dann auch die Manager einer solchen Entwicklung länger am Ruder…

 

 

 

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